Der Ball liegt jetzt in Pyongyang

Der Gip­fel zwi­schen den USA und Nord­ko­rea in Sin­ga­pur war von Beginn an bereits ein Erfolg. Schlicht der Umstand, dass sich ein US-Prä­si­dent mit einem nord­ko­rea­ni­schen Macht­ha­ber trifft, war bahn­bre­chend und his­to­risch. Das Abschluss­do­ku­ment war zwar kein groß­ar­ti­ger Erfolg, doch auch kein kom­plet­tes Desas­ter. Immer­hin: Donald Trump und Kim Jong-un haben mit die­sem Gip­fel eine Pha­se der nuklea­ren Hoch­ri­si­ko­po­li­tik been­det und die Mög­lich­keit wei­te­rer ver­trau­ens­bil­den­der Maß­nah­men eröff­net. Das eigent­li­che Ziel der USA ist aber noch außer Reich­wei­te: die kom­plet­te Denu­kle­a­ri­sie­rung der Korea­ni­schen Halb­in­sel. Der Ball für wei­te­re Maß­nah­men liegt jetzt in Pyongyang.

Nordkorea der größte Gewinner

Der Erfolg des Gip­fels bleibt aller­dings letzt­lich limi­tiert. Wenn­gleich Trump damit Erfolg gehabt haben mag, eine Rei­he von Gesprä­chen zu initi­ie­ren – was sich erst zei­gen muss – sind es vor allem die Nord­ko­rea­ner, die gewon­nen haben. Kim Jong-un hat­te durch den Gip­fel die Gele­gen­heit, sein Image auf­zu­bes­sern. Anstatt die Span­nun­gen zwi­schen den USA und Nord­ko­rea wei­ter wach­sen zu las­sen, wird er nun von Donald Trump geprie­sen, der davon über­zeugt ist, dass der nord­ko­rea­ni­sche Dik­ta­tor es ernst mei­ne. Dar­über hin­aus hat er es geschafft, den Druck auf sein Regime erheb­lich zu redu­zie­ren. Kim hat sich Zeit ver­schafft und er mag es sogar geschafft haben, sein Regime dau­er­haft zu stabilisieren.

Nord­ko­rea hat zwar nicht erreicht, dass die Sank­tio­nen auf­ge­ho­ben wer­den, doch konn­te es noch wei­te­re beacht­li­che Erfol­ge erzie­len. So wer­den die USA die nuklea­re Hoch­ri­si­ko­po­li­tik der letz­ten Mona­te been­den und die gemein­sa­men Mili­tär­übun­gen mit Süd­ko­rea, die Trump sogar als „Kriegs­spie­le“ bezeich­ne­te, sus­pen­die­ren. Außer­dem ist ein Regime Chan­ge in Pyon­gyang mit­tel­fris­tig kei­ne Opti­on mehr. Laut Kri­ti­kern des Gip­fels haben die USA einen Dik­ta­tor durch Gesprä­che legi­ti­miert. Im Gegen­zug bekann­te sich Nord­ko­rea zu nichts Kon­kre­tem. Damit hängt die voll­stän­di­ge Denu­kle­a­ri­sie­rung der Korea­ni­schen Halb­in­sel vom Good­will Kim Jong-uns ab.

Die nächsten Schritte

Grund­sätz­lich ist jeder Schritt, der einer nuklea­ren Aus­ein­an­der­set­zung vor­beugt, posi­tiv. Doch der Sin­ga­pur-Gip­fel hat nichts zur Reduk­ti­on der Nord­ko­rea­ni­schen Atom­waf­fen bei­getra­gen. Ins­be­son­de­re, da Trump Pyon­gyang bereits das gege­ben hat­te, was es woll­te. Das Poten­zi­al der ober­fläch­li­chen Über­ein­kunft, die in Sin­ga­pur erzielt wur­de, bleibt damit unklar und hängt wei­ter­hin vom Wil­len Nord­ko­reas ab. Das Ziel einer Denu­kle­a­ri­sie­rung der korea­ni­schen Halb­in­sel bleibt damit vage. Wenn über­haupt kön­nen die USA und Nord­ko­rea dar­an arbei­ten, Ver­trau­en auf­zu­bau­en und Zei­chen des guten Wil­lens zu set­zen. Ob dies mög­lich sein wird, oder aber wei­te­re Span­nun­gen auf­tre­ten, hängt ein­zig und allei­ne von Kim Jong-un ab und sei­nem Wil­len, den USA ent­ge­gen­zu­kom­men. Der Ball liegt jetzt in Pyongyang.

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