Erdrutschsieg für Rouhani

Der ira­ni­sche Prä­si­dent Hassan Rou­ha­ni wur­de ges­tern, Frei­tag, für eine zwei­te Amts­zeit wie­der­ge­wählt. Von ins­ge­samt 41 Mil­lio­nen Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern haben 23,5 Mil­lio­nen Men­schen oder 57 Pro­zent für Rou­ha­ni gestimmt. Rou­ha­nis Her­aus­for­de­rer, der kon­ser­va­ti­ve Geist­li­che Ebra­him Rai­si, erhielt ledig­lich 38,3 Pro­zent der Stim­men – ein durch­aus beacht­li­ches Ergeb­nis in Anbe­tracht der Tat­sa­che, dass er noch nie zuvor in ein öffent­li­ches Amt gewählt wor­den war. Nichts­des­to­trotz war die­se Wahl ein her­ber Rück­schlag für die Konservativen.

Der nächste Oberste Anführer

Die kon­ser­va­ti­ve Eli­te ver­such­te Rai­si für das Prä­si­den­ten­amt zu pushen, der als Nach­fol­ge­kan­di­dat für den Obers­ten Anfüh­rer Ali Kha­men­ei in Stel­lung gebracht wer­den soll­te. In die­sem Sin­ne war die Prä­si­dent­schafts­wahl ein „Test­lauf“ – wie popu­lär wür­de der von Kon­ser­va­ti­ven und Revo­lu­ti­ons­gar­den favo­ri­sier­te Kan­di­dat für das höchs­te Amt im Staat sein? Das spek­ta­ku­lä­re Schei­tern Rai­sis, auch nur in die Nähe von 50 Pro­zent zu gelan­gen, hat die­se Hoff­nun­gen schwer beschä­digt. Außer­dem zeig­te es die Gren­zen der Macht der Kon­ser­va­ti­ven auf: So man­gel­haft die Wah­len sonst auch sein mögen, wenn die Ira­ne­rin­nen und Ira­ner einen bestimm­ten Kan­di­da­ten wäh­len wol­len, dann tun sie das auch.

Wenn­gleich der Prä­si­dent gro­ßen Ein­fluss hat, und mit Rou­ha­nis Wie­der­wahl ein gewis­ses Moment der Sta­bi­li­tät gewähr­leis­tet ist, ist der Obers­te Anfüh­rer eigent­lich der zen­tra­le Ent­schei­dungs­trä­ger in der Isla­mi­schen Repu­blik. Ohne die Unter­stüt­zung Ali Kha­men­eis hät­te Hassan Rou­ha­ni den Atom­deal (Joint Com­pre­hen­si­ve Plan of Action, JCPOA) nie­mals aus­han­deln kön­nen. Die­ses Abkom­men hat den Grund­stein für eine Nor­ma­li­sie­rung der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen des Iran gelegt und ist wahr­schein­lich der größ­te Erfolg der ira­ni­schen Außen­po­li­tik der letz­ten Jahrzehnte.

Kommende Herausforderungen

Die künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen für den Iran wer­den zwei­fel­los die USA und Sau­di-Ara­bi­en blei­ben. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Prä­si­den­ten und der wei­te­ren Anspan­nung der rus­sisch-US-ame­ri­ka­ni­schen Bezie­hun­gen sowie der ein­deu­ti­gen Par­tei­nah­me des US-Prä­si­den­ten für Isra­el wird der Iran ver­mut­lich wei­ter­hin die neu­en roten Lini­en der USA aus­tes­ten, wie bei­spiels­wei­se mit dem jüngs­ten Rake­ten­test. Zudem wird es die Bezie­hun­gen zwi­schen Washing­ton und Riyad genau im Auge behalten.

Auf jeden Fall wur­de mit Rou­ha­nis Wie­der­wahl ein wei­te­rer Schritt in Rich­tung der Nor­ma­li­sie­rung der inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen des Iran getä­tigt. Aus euro­päi­scher Sicht ist klar, dass mit dem Prag­ma­ti­ker Rou­ha­ni ein Prä­si­dent gewählt wur­de, mit dem man koope­rie­ren kann. Doch auf die­sem Ver­trau­ens­ver­hält­nis muss auch auf­ge­baut wer­den. Soll­ten die USA tat­säch­lich stär­ker mit Sau­di-Ara­bi­en koope­rie­ren und soll­te Donald Trump auf­grund des­sen Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen den Iran aus­spre­chen, wird das zu einer unbe­re­chen­ba­ren Situa­ti­on füh­ren, in der die Kon­ser­va­ti­ven wie­der­um die Ober­hand gewin­nen könnten.

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