Das Tor zum Westen Syriens

Die Jiha­dis­ten des soge­nann­ten „Isla­mi­schen Staats“ haben erneut ihre Fle­xi­bi­li­tät und ihre expan­si­ven Kapa­zi­tä­ten unter Beweis gestellt. Nach­dem sie Rama­di, die Haupt­stadt der ira­ki­schen Pro­vinz al-Anbar erobert hat­ten, gelang es ihnen nun, die zen­tral­sy­ri­sche Stadt Pal­my­ra ein­zu­neh­men. Die­se Oase ist vor allem bekannt für ihr unschätz­ba­res Welt­kul­tur­er­be, ins­be­son­de­re die anti­ken Rui­nen aus römi­scher und vor­rö­mi­scher Zeit. Doch Pal­my­ra ist eben­falls ein wich­ti­ger Ver­kehrs­kno­ten­punkt und bereits seit der Anti­ke eine Dreh­schei­be für den Han­del. Das bedeu­tet zwei­er­lei: einer­seits ist Pal­my­ra akut von Zer­stö­rung bedroht – es wäre nicht das ers­te Mal, dass der IS Welt­kul­tur­er­be ver­nich­tet und Tei­le davon ver­kauft. Ande­rer­seits ist Pal­my­ra für den IS das Tor zum Wes­ten Syriens.

Aus­ge­hend von die­ser zen­tral­sy­ri­schen Oase wäre der IS dazu in der Lage, gezielt gegen Stel­lun­gen Bas­har al-Assads vor­zu­ge­hen. Von Pal­my­ra aus­ge­hend ist es nicht weit nach Damas­kus, Homs, Hama oder Alep­po. Die stra­te­gi­sche Lage Pal­my­ras ermög­licht nicht nur rasche, mili­tä­ri­sche Vor­stö­ße, son­dern auch ver­kürz­te logis­ti­sche Unter­stüt­zungs­li­ni­en. Mit der Erobe­rung Pal­my­ras, trotz des Wider­stands sei­tens der syri­schen Streit­kräf­te, ist dem IS ein stra­te­gisch wich­ti­ger und pro­pa­gan­dis­tisch wert­vol­ler Erfolg gelungen.

Es ist nun die Fra­ge, wie das Assad-Regime auf die­sen neu­er­li­chen Rück­schlag reagie­ren wird. Der syri­schen Armee ist es nicht gelun­gen, Pal­my­ra zu ver­tei­di­gen, die Sol­da­ten zogen sich ver­gleichs­wei­se rasch zurück: „Die Assad-Armee, die über­stürzt abge­zo­gen sein dürf­te und die Stadt ihrem Schick­sal über­ließ, ist vom Unter­drü­cker zum Ver­rä­ter mutiert.“ Hin­zu kommt eine kol­por­tier­te Unzu­frie­den­heit der Armee mit dem Regime in Damas­kus – trotz ein­deu­ti­ger mili­tä­ri­scher Über­le­gen­heit was sowohl Aus­bil­dung als auch Aus­rüs­tung betrifft, dau­ert der Bür­ger­krieg nun­mehr fast vier Jah­re. Zur­zeit ist der Krieg ein ero­die­ren­des Patt und die ein­zi­gen, die wirk­li­che Fort­schrit­te erzie­len, sind die Jiha­dis­ten des Isla­mi­schen Staats.

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