Krieg um die Krim unwahrscheinlich

Wie aus dem Nichts und urplötz­lich tauch­ten Sol­da­ten auf der ukrai­ni­schen Halb­in­sel Krim auf. Ohne Hoheits­ab­zei­chen, Rang­ab­zei­chen oder sons­ti­ge Erken­nungs­merk­ma­le. Der ein­zi­ge Hin­weis auf die Iden­ti­tät jener Sol­da­ten war ihre rus­si­sche Mili­tär­aus­rüs­tung. Sind die­se „klei­nen grü­nen Männ­chen“ rus­si­sche Sol­da­ten? Es spricht viel dafür, vor allem das geplan­te Refe­ren­dum zum Bei­tritt der Krim zur Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. In der Tat hat Russ­land ein kla­res stra­te­gi­sches Inter­es­se an der Krim, auch wenn es vor­geb­lich aus huma­ni­tä­ren Grün­den han­del­te, um die rus­si­sche Bevöl­ke­rungs­mehr­heit auf der Krim zu schüt­zen. Die Bedeu­tung der Krim liegt dabei in der Stadt Sewas­to­pol begrün­det, wo Russ­land einen bedeu­ten­den Flot­ten­stütz­punkt der Schwarz­meer­flot­te unterhält.

Seit dem Zer­fall der Sowjet­uni­on – und damit dem Ver­lust allen ukrai­ni­schen Gebiets – hat Mos­kau die­sen Hafen gepach­tet. Sei­ne stra­te­gi­sche Bedeu­tung liegt vor allem dar­in begrün­det, dass Sewas­to­pol nicht nur zen­tral im Schwar­zen Meer gele­gen ist, son­dern auch ver­gleichs­wei­se nahe an der tür­ki­schen Stadt İstanb­ul und damit an den Dar­da­nel­len, einer Meer­enge, die ins Mit­tel­meer führt. Es ist schon lan­ge ein stra­te­gi­sches Inter­es­se Russ­lands, sei­ne Mit­tel­meer­prä­senz zu ver­stär­ken und den Mili­tär­ha­fen Sewas­to­pol zu sichern ist hier­für unabdinglich.

NATO reagiert zögerlich

Das Ersu­chen um Hil­fe sei­tens der Ukrai­ne an die NATO ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. Doch die Bit­te der Ukrai­ne um Unter­stüt­zung der Nord­at­lan­tik-Alli­anz führt für bei­de in eine unan­ge­neh­me Situa­ti­on. Einer­seits will man die euro­pä­isch-west­li­che Per­spek­ti­ve der Ukrai­ne nicht ent­täu­schen, doch ande­rer­seits will man defi­ni­tiv kei­nen mili­tä­ri­schen Kon­flikt mit Russ­land. Damit stellt die Ukrai­ne die NATO vor die Wahl, ihre Glaub­wür­dig­keit unter Beweis zu stel­len und einen poten­zi­el­len Krieg mit Russ­land zu ris­kie­ren, oder Russ­land zu zei­gen, dass es Nar­ren­frei­heit besitzt, selbst dann, wenn es ganz offen Völ­ker­rechts­bruch begeht. Ein Dilem­ma für die Alli­anz, denn wenn ihre Glaub­wür­dig­keit in Zwei­fel gezo­gen wird, ist auch das Grund­prin­zip der NATO in Zwei­fel gezogen.

Ange­sichts der mili­tä­ri­schen Kapa­zi­tä­ten Russ­lands kann die NATO aber nicht ein­fach einen mili­tä­ri­schen Kon­flikt vom Zaun bre­chen, ins­be­son­de­re auf­grund der Tat­sa­che, dass Russ­land den Mili­tär­ha­fen Sewas­to­pol bereits gepach­tet hat­te. Ein sol­cher Kon­flikt wäre sowohl für Euro­pa als auch für Russ­land kata­stro­phal, das wis­sen bei­de Par­tei­en. Man wird also eine diplo­ma­ti­sche Lösung suchen, in deren Vor­feld Mos­kau ver­su­chen wird, Fak­ten zu schaf­fen. Der wahr­schein­lichs­te Aus­gang die­ser Kri­se ist also die Ein­ze­men­tie­rung des der­zei­ti­gen Sta­tus Quo.

Bild: Vadven/Shutterstock.com

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